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Wirksamkeit von Neurofeedback bei Angst, PTSD und Depression – was sagt die Studienlage?
13.02.2026 15:18

Psychische Erkrankungen wie Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD) und Depression gehören weltweit zu den häufigsten gesundheitlichen Herausforderungen. Während klassische Therapieverfahren wie Psychotherapie und medikamentöse Behandlung weiterhin eine zentrale Rolle spielen, wächst das Interesse an ergänzenden Methoden. Eine davon ist Neurofeedback – ein Training, das darauf abzielt, die Selbstregulation des Gehirns zu verbessern.

Doch wie wirksam ist Neurofeedback tatsächlich? Ein Blick auf die aktuelle Studienlage zeigt ein differenziertes, aber insgesamt vielversprechendes Bild.

 

Was passiert im Gehirn bei Angst, PTSD und Depression?

Moderne bildgebende Verfahren zeigen, dass viele psychische Erkrankungen mit veränderten Aktivitätsmustern im Gehirn einhergehen. Häufig betroffen sind Bereiche, die für Emotionsregulation, Stressverarbeitung und Aufmerksamkeit zuständig sind.

Typische Befunde sind zum Beispiel:

  • erhöhte Aktivität in stressverarbeitenden Netzwerken
  • reduzierte Kontrolle durch präfrontale Hirnregionen
  • Schwierigkeiten bei der emotionalen Selbstregulation

Genau hier setzt Neurofeedback an: Durch Echtzeit-Rückmeldung über die eigene Gehirnaktivität lernen Patientinnen und Patienten, ungünstige Aktivitätsmuster schrittweise zu verändern.

 

Wie gut ist Neurofeedback wissenschaftlich untersucht?

Internationale Forschungsgruppen – unter anderem gefördert durch die National Institutes of Health – beschäftigen sich seit Jahren mit der Wirksamkeit von Neurofeedback bei psychischen Erkrankungen.

Dabei gilt:

  • Die Studienqualität hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert
  • Randomisierte kontrollierte Studien nehmen zu
  • Gleichzeitig besteht weiterhin Bedarf an größeren Stichproben

Mit anderen Worten: Die Forschung entwickelt sich in eine solide Richtung, ist aber noch nicht abgeschlossen.

 

Neurofeedback bei Angststörungen

Mehrere kontrollierte Studien berichten über signifikante Verbesserungen bei generalisierten Angststörungen und stressbezogenen Symptomen.

Beobachtete Effekte umfassen unter anderem:

  • geringere Grundanspannung
  • verbesserte Stressresistenz
  • stabilere Emotionsregulation

Ein wichtiger Vorteil: Neurofeedback ist nicht invasiv und wird von vielen Patientinnen und Patienten als gut verträglich beschrieben.

Einordnung: Die Ergebnisse gelten als vielversprechend – besonders als Ergänzung zu etablierten Therapieverfahren.

 

PTSD: Unterstützung bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen

Gerade bei PTSD steht das Nervensystem häufig dauerhaft unter „Alarmbereitschaft“. Neurofeedback zielt darauf ab, diese Übererregung zu reduzieren.

Studien zeigen teilweise:

  • weniger intrusive Erinnerungen
  • besseren Schlaf
  • reduzierte Hypervigilanz
  • insgesamt niedrigere Symptomschwere

Einige Forschende sehen Neurofeedback deshalb als potenziell wertvolle Ergänzung zur Traumatherapie – insbesondere für Betroffene, die auf klassische Methoden nur begrenzt ansprechen.

Wichtig: Neurofeedback ersetzt keine Traumatherapie, kann sie jedoch sinnvoll unterstützen.

 

Depression: Kann Gehirntraining die Stimmung verbessern?

Auch bei depressiven Erkrankungen untersuchen Forschende, ob gezieltes Training bestimmter Gehirnwellen positive Effekte haben kann.

Berichtet wurden beispielsweise:

  • verbesserte Stimmung
  • mehr Antrieb
  • bessere kognitive Leistungsfähigkeit

Allerdings ist die Datenlage hier etwas uneinheitlicher als bei Angststörungen. Einige Studien arbeiten noch mit relativ kleinen Gruppen, was die Übertragbarkeit einschränken kann.

Fazit: Vielversprechend – aber mit weiterem Forschungsbedarf.

 

Warum Studienqualität entscheidend ist

In der Vergangenheit wurde Neurofeedback teilweise kritisch betrachtet, weil Studien methodische Schwächen aufwiesen – etwa fehlende Kontrollgruppen.

Heute achten Forschende zunehmend auf:

  • randomisierte Studiendesigns
  • Vergleichsgruppen
  • transparente Datenauswertung

Diese Entwicklung stärkt die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der Methode.

Auch Organisationen wie die World Health Organization betonen generell, wie wichtig evidenzbasierte Bewertung neuer Therapieansätze ist.

 

Chancen – aber keine Wunderlösung

So positiv viele Ergebnisse wirken: Neurofeedback ist kein „schneller Fix“.

Der Behandlungserfolg hängt von mehreren Faktoren ab:

  • individueller Symptomatik
  • Trainingsdauer
  • Einbettung in ein therapeutisches Gesamtkonzept
  • Motivation der Patientinnen und Patienten

Am wirkungsvollsten scheint Neurofeedback derzeit als Baustein innerhalb eines multimodalen Therapieplans zu sein.

 

Unser Fazit: Realistische Erwartungen, großes Potenzial

Die aktuelle Studienlage legt nahe, dass Neurofeedback eine vielversprechende Ergänzung in der Behandlung von Angststörungen, PTSD und Depression sein kann. Gleichzeitig zeigt die Forschung klar: Weitere hochwertige Studien werden helfen, Einsatzbereiche noch genauer zu definieren.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem eines – Hoffnung auf eine zusätzliche, wissenschaftlich zunehmend fundierte Möglichkeit zur Unterstützung ihrer psychischen Gesundheit.

 

 

Quellen:

Zentrale Reviews und Übersichtsarbeiten

Neurofeedback and Biofeedback for Mood and Anxiety Disorders: A Review of Clinical Effectiveness and Guidelines

→ Umfassende Evidenzübersicht zu Neurofeedback bei PTSD, generalisierter Angststörung und Depression inklusive Studienbewertung und Limitationen.

Neurofeedback Effect on Symptoms of Posttraumatic Stress Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis
→ Meta-Analyse mit moderater Effektstärke und positiven Effekten auf Angst, Depression sowie intrusive Symptome.

Systematic review and meta-analysis of neurofeedback and its effect on posttraumatic stress disorder
→ Analyse mehrerer Studien mit insgesamt über 600 Patient:innen; Ergebnisse sprechen insgesamt für eine Reduktion der PTSD-Symptome.

 

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)

Effectiveness, Cost-Utility, and Safety of Neurofeedback Self-Regulating Training in Patients with Post-Traumatic Stress Disorder: A Randomized Controlled Trial
→ Zeigt signifikant stärkere Verbesserungen der PTSD-Symptomatik in der Neurofeedback-Gruppe sowie positive Effekte auf Angst, Depression und Schlaf.

A Randomized Controlled Study of Neurofeedback for Chronic PTSD
→ Nach der Behandlung erfüllten deutlich weniger Teilnehmende die Diagnosekriterien für PTSD; außerdem verbesserten sich Affektregulation und Spannungszustände.

 

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